Zwischen den Welten – Samhain und Allerheiligen:
Rituale für neueS Todesbewusstsein und spirituelles Erwachen
Der Herbst läutet eine besondere Zeit des Jahres ein, in der die Natur sich zurückzieht und die Blätter von den Bäumen fallen. Diese Verwandlung der Welt führt viele von uns auch innerlich zu Reflexion und Ahnenehrung. Während die Sommermonate von Leben und Licht geprägt sind, rückt mit den Winternächten die Ehrung der Verstorbenen wieder stärker in den Vordergrund.
In diesen dunklen Monaten legt sich der Nebel schwer über das Land und lässt die Grenzen zwischen den Welten verschwimmen. An nebligen Abenden, wenn sich der Schleier um die Landschaft zieht, fühlt es sich an, als ob ein Schritt uns in die mythischen Reiche Yggdrasils führen könnte. Dies erinnert uns daran, dass die Verbindung zu unseren Ahnen eine der ältesten spirituellen Praktiken ist.
Ahnenehrung ist nicht nur ein Rückblick auf das, was vergangen ist, sondern auch ein Bewusstsein dafür, dass wir selbst Spuren hinterlassen. So, wie unsere Vorfahren ihre Wege geebnet haben, werden wir es eines Tages für kommende Generationen tun. Wenn keine Nachkommen hinterlassen werden, ist dies schwer mit der traditionellen Sichtweise der Ahnen zu vereinen, doch wir alle tragen Verantwortung, was wir von uns weitergeben.
Winternächte und Halloween – Ein heidnisches Erbe
Die Winternächte, oft als das "germanische Halloween" bezeichnet, fallen zeitlich mit dem keltischen Samhain zusammen. Halloween selbst, wie wir es heute kennen, hat sich zwar stark durch Kommerz verändert, doch seine Wurzeln finden sich in heidnischen Traditionen. Während die Kinder in Schulen und Kitas die Spaßversion von Halloween feiern, können wir zuhause die Winternächte in ihrer tieferen Bedeutung erleben. Das Blót, eine Opferzeremonie, stellt den Höhepunkt dar, und selbst moderne Halloween-Elemente wie Kürbisse und Rübengeister lassen sich gut in die Tradition integrieren. Immerhin sind es Pflanzen, die in unseren Gärten wachsen und mit der Erntezeit in Verbindung stehen.
Samhain: Der Ursprung des Todesbewusstseins
Samhain, oft als keltisches Totenfest bezeichnet, ist viel mehr als nur der Vorläufer von Halloween. In der keltischen Kultur symbolisierte es das Ende der Ernte und den Beginn der dunklen Jahreszeit, eine Zeit des Übergangs, in der das Leben in die Dunkelheit übergeht – genau wie die Natur stirbt, um im Frühjahr wiedergeboren zu werden. Diese Übergänge wurden nicht nur als Zeit des Trauerns gesehen, sondern als Einladung, das Todesbewusstsein aktiv zu kultivieren: Die Kelten sahen den Tod als natürlichen Teil des Lebenskreislaufs an, und Samhain wurde genutzt, um die Beziehung zum Sterben und zum Jenseits zu pflegen. Keine Angst mehr zu haben, sondern anzunehmen das der Tod zum Leben gehört….
Geheimnisvolle Praktiken, die du nicht kanntest:
Orakeldeutung durch Mondfestrituale: In den keltischen Dörfern wurde Samhain als magische Zeit genutzt, um das kommende Jahr vorherzusagen. Das Feuer spielte eine zentrale Rolle, doch auch der Mond und die Dunkelheit galten als mächtige Werkzeuge. Bei Vollmond oder Neumond wurden geheimnisvolle Orakeldeutungen vollzogen, um Einsichten über das Leben und den Tod zu gewinnen.
Knochenschatten und das Ahnenfeuer: Das Legen von Knochen in Ritualfeuern, um die Geister der Toten zu rufen und von ihnen Führung zu erbitten, war ein zentrales Samhain-Ritual. Diese Praxis erinnerte die Lebenden daran, dass der Tod eine ständige Begleiterin ist – nicht nur im physischen Sinne, sondern auch im spirituellen. Du könntest moderne Menschen ermutigen, diese Praktiken neu zu interpretieren, vielleicht durch Ahnenschreib-Rituale oder achtsames Meditieren in der Dunkelheit, um das eigene Sterben zu reflektieren.
Allerheiligen: Jenseits der Kirche – Die moderne Feier der Ahnen
Allerheiligen wird oft als kirchliches Fest wahrgenommen, doch es wurzelt in ähnlichen Themen wie Samhain: die Ehrung der Toten. Ein interessanter Aspekt ist, dass die Kirche versucht hat, heidnische Traditionen zu absorbieren und in ihre eigenen Rituale zu integrieren. Allerheiligen feiert zwar offiziell die Heiligen, aber seine Ursprünge liegen in der Verbindung zwischen den Lebenden und den Toten.
SPANNENDER ZUSAMMENHANG
Während die Kirche auf Heiligkeit fokussiert, kann auch der nicht religiöse Mensch durch Allerheiligen einen persönlichen Zugang zu den Ahnen finden. Es ist eine Chance, nicht nur für religiöse Verehrung, sondern um tiefer in das Konzept des Todesbewusstseins einzutauchen.
NUR MAL SO EINE IDEE: Was wäre, wenn wir Allerheiligen als spirituelle Yoga-Praxis nutzen? Eine „Ahnen-Yoga-Stunde“, in der man Bewegungen ausführt, die die Verbundenheit mit den Vorfahren symbolisieren und gleichzeitig die Achtsamkeit auf den Tod richten, könnte eine kraftvolle Praxis sein.
Todesbewusstsein und Yoga – Den Tod als höchsten Lehrer anerkennen
In vielen spirituellen Traditionen wird der Tod als ein mächtiger Lehrer angesehen, der uns tiefere Einsichten über das Leben bietet. Während Samhain und Allerheiligen Momente sind, in denen wir traditionell der Toten gedenken und uns mit dem Tod auseinandersetzen, kann diese Zeit auch genutzt werden, um unser Verständnis und unsere Beziehung zum Tod durch Yoga zu vertiefen.
Der Tod als Lehrer: Eine philosophische Perspektive
In der buddhistischen Tradition, insbesondere im Tibetanischen Totenbuch (Bardo Thodol), wird der Tod nicht als Ende, sondern als Übergang betrachtet. Dieses alte Werk beschreibt den Prozess des Sterbens und der Wiedergeburt und lehrt, dass das Verständnis und die Vorbereitung auf den Tod uns helfen können, ein erfüllteres Leben zu führen. Diese Perspektive ist nicht nur für das Leben nach dem Tod relevant, sondern auch für die gegenwärtige Existenz. Der Tod wird als Lehrer gesehen, der uns hilft, den gegenwärtigen Moment intensiver zu erleben und unser wahres Selbst zu erkennen.
Puja und Opfergaben (BlÓT) - Rituale von damals & heute für einsteiger!
Ein einfacher Weg, um in die Praxis einzusteigen, ist, sich mit den Gottheiten zu verbinden. Ohne eine Verbindung zu ihnen bleibt ein Ritual leer.
Beginne klein, indem du dich mit den Attributen der Gottheiten vertraut machst. Weißt du, welche Gottheit für deine Situation zuständig ist? Beispiel: Wenn du auf Reisen Schutz suchst, rufe Thor an, da er selbst oft auf seinem Wagen unterwegs ist. Für Reisen kannst du z. B. Thor anrufen, da er oft in seinem Wagen unterwegs ist und für Schutz sorgt.
Ähnlich verhält es sich in der hinduistischen Tradition: Für Schutz und Erfolg auf Reisen wird häufig Ganesha, der Gott der Weisheit und Beseitiger von Hindernissen, angerufen. In Pujas (hinduistische Ritualzeremonien) wird ihm zuerst geopfert, um Hindernisse zu beseitigen, bevor man sich auf Reisen begibt. Typische Opfergaben wie Blumen, Kokosnüsse oder Süßigkeiten werden auf einem Altar dargebracht. Es ist vergleichbar mit einem Blót, bei dem man Speisen oder Getränke als Gabe anbietet, um die Götter um Unterstützung zu bitten. So wie wir Met für Thor opfern, wird für Ganesha etwa ein süßes Gericht, Modak, dargebracht.
In beiden Traditionen liegt der Schwerpunkt auf der direkten Verbindung zur Gottheit und dem klaren Wunsch, der in der Anrufung formuliert wird. Und sei dir bewusst: Der Wille zählt; du musst keinen Ferrari opfern, dass dich die Götter hören.
RITUALE FÜR DIE HEUTIGE ZEIT:
1. Ahnengarten oder -ecke gestalten
Ahnengarten:
Erstellen eines Ahnengartens: Richte einen kleinen Garten oder eine spezielle Ecke in deinem Garten oder auf deinem Balkon ein, die den Ahnen gewidmet ist. Pflanze dort Blumen, Kräuter oder Bäume, die für dich eine besondere Bedeutung haben oder symbolisch für deine Ahnen stehen.
Erinnerungsobjekte: Platziere kleine Erinnerungsstücke, wie Bilder oder persönliche Gegenstände deiner Vorfahren, um die Verbindung zu ihnen zu verstärken.
Ahnenecke zu Hause:
Gestalte eine Ecke: Schaffe eine spezielle Ecke in deinem Zuhause mit Fotos, Kerzen, und Symbolen, die deine Ahnen ehren. Diese Ecke kann regelmäßig besucht werden, um Dankbarkeit und Verbundenheit zu zeigen.
2. Ahnentagebuch führen
Schreibe Briefe: Verfasse Briefe an deine Ahnen, in denen du ihnen erzählst, was in deinem Leben passiert ist und wie du sie vermisst. Dies kann eine tiefgreifende Möglichkeit sein, eine Verbindung zu ihnen herzustellen.
Reflexion: Nutze ein Tagebuch, um über deine Beziehung zu deinen Ahnen nachzudenken und ihre Einflüsse auf dein Leben zu dokumentieren.
3. Erinnerungsrituale mit Naturmaterialien
Kreative Gedenkaltare: Baue einen Gedenkaltar aus Naturmaterialien, wie Steinen, Blättern oder Holzstücken. Füge persönliche Gegenstände hinzu, die an deine Ahnen erinnern, und dekoriere ihn mit symbolischen Elementen, die für dich eine besondere Bedeutung haben.
Erinnerungssteine: Schreibe Namen oder kurze Botschaften auf Steine und lege sie an einem besonderen Ort nieder, sei es im Garten, auf dem Grab oder in deinem Wohnraum.
4. Meditations- und Visualisierungsübungen
Geführte Meditationen: Nutze geführte Meditationen, die speziell auf das Gedenken und die Verbindung zu den Ahnen ausgerichtet sind. Visualisiere, wie du dich mit deinen Vorfahren verbindest und ihre Weisheit und Führung in dein Leben integrierst.
Meditation am Grab: Besuche das Grab deiner Ahnen und meditiere dort. Visualisiere, wie du ihre Energie in deinem Leben spürst und ihre Botschaften empfängst.
5. Ritual des Teilens und der Dankbarkeit
Teile mit anderen: Lade Familie und Freunde ein, um gemeinsam eine Zeremonie oder ein Gedenkritual abzuhalten. Dies kann ein gemeinsames Essen sein, bei dem jeder etwas teilt, das an die Ahnen erinnert, oder ein Ritual, bei dem jeder eine Erinnerung an die Vorfahren erzählt. Jeder nimmt ein Fotobuch mit und erzählt von seinen Liebsten
Dankbarkeitsritual: Erstelle ein Ritual, bei dem du für die Einflüsse und Geschenke dankst, die deine Ahnen dir gegeben haben. Dies kann durch eine Zeremonie erfolgen, bei der du symbolisch „Gaben“ zurückgibst, z.B. in Form von ehrenamtlicher Arbeit oder Spenden oder Grabpflege ect.
Fazit:
Samhain und Allerheiligen geben uns die Gelegenheit, unsere Kultur des Verdrängens des Todes zu überdenken. Die Kelten wussten, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern ein Übergang in eine andere Form des Seins. Wir können diese Weisheit in die Gegenwart bringen und uns durch moderne, achtsame Rituale auf eine tiefere spirituelle Ebene führen. Der Tod wird dann nicht nur als Schrecken gesehen, sondern als bewusste Kraft, die uns hilft, das Leben in all seinen Facetten besser zu verstehen.
Samhain und Allerheiligen müssen nicht länger nur Relikte der Vergangenheit sein. Sie bieten uns die Möglichkeit, tiefe spirituelle Einsichten zu erlangen, indem wir Yoga, Achtsamkeit und das Feiern der Zyklen des Lebens und des Todes integrieren. Durch moderne Mondfestrituale und das Kultivieren eines neuen Todesbewusstseins können wir den Tod in unser tägliches Leben einladen – als Lehrer und nicht als Feind.