Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern

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Es war einst in einer fernen Stadt, wo die Winter bitterkalt und die Nächte von schneidendem Wind erfüllt waren, ein kleines Mädchen. Barfuß wanderte sie durch die Straßen, während der Frost die Welt in eine eisige Stille hüllte. Ihre Aufgabe war es, Schwefelhölzer zu verkaufen – kleine Flammen der Hoffnung in einer dunklen, kalten Welt. Doch an diesem Abend, einem Silvesterabend, eilten die Menschen mit gesenkten Köpfen an ihr vorbei, ohne ein Wort, ohne einen Blick. Kein einziger kaufte ihr etwas ab.

Als die Dämmerung in die tiefe Nacht überging und die Kälte ihre Glieder erstarren ließ, suchte das Mädchen Zuflucht in einer dunklen Ecke. Dort kauerte sie zusammen, ihre kleinen Hände hielten die Schwefelhölzer wie einen letzten Schatz. Der Schnee fiel sanft, doch für sie fühlte es sich an wie das Schweigen der Welt, die sie längst vergessen hatte.

In ihrer Verzweiflung zündete sie ein Schwefelholz an. Oh, wie warm war die kleine Flamme, wie ein zarter Sonnenstrahl an einem Wintermorgen! Für einen Moment konnte sie vergessen, wie kalt die Welt war. Und in der flackernden Flamme erschien ihr eine Vision – ein prächtiger Ofen, der Wärme und Trost spendete. Doch wie alle Träume schwand auch dieser mit dem Erlöschen des Schwefelholzes.

Das Mädchen zündete ein weiteres an, und diesmal sah sie einen festlich geschmückten Weihnachtsbaum, dessen Lichter wie Sterne funkelten. Doch auch diese Vision verblasste, hinterließ jedoch einen einzigen leuchtenden Stern, der wie eine Träne vom Himmel fiel.

Beim nächsten Schwefelholz erinnerte sie sich an ihre Großmutter, die einzige, die sie jemals geliebt und mit Güte umsorgt hatte. Die Flamme erhellte das Gesicht der alten Frau, so warm, so freundlich, so voller Liebe. Und als die Flamme erlosch, zündete das Mädchen alle ihre Hölzer auf einmal an, um diese Vision nicht zu verlieren. Im strahlenden Licht lächelte die Großmutter, nahm das Mädchen bei der Hand und führte sie fort, hinauf in ein Reich jenseits von Kälte und Hunger, wo nur Frieden herrscht.

Am Morgen fanden die Menschen das kleine Mädchen im Schnee. Sie sahen ihre geschlossenen Augen, doch niemand bemerkte das zarte Lächeln, das von ihrem stillen Glück erzählte.

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Die Geschichte des kleinen Mädchens mit den Schwefelhölzern trägt eine tiefe Symbolik, besonders in der Zeit, wenn die Nächte lang sind und der Winter uns zur Einkehr ruft. Hier einige Fragen, um die Botschaft dieses Märchens zu erkunden:

  • Wo findest du in kalten, dunklen Zeiten Wärme und Trost? Gibt es kleine "Schwefelhölzchen" in deinem Leben, die Licht bringen?

  • Welche Visionen oder Träume nähren dich und geben dir Kraft, weiterzugehen?

  • Erinnerst du dich an Menschen, die dir in schwierigen Momenten Liebe und Geborgenheit geschenkt haben? Wie kannst du diese Liebe heute in dir bewahren?

  • Das kleine Mädchen wurde von den Menschen übersehen. Gibt es in deinem Leben jemanden, der nach Aufmerksamkeit oder Unterstützung sucht?

In dieser Zeit, wo das Jahr sich dem Ende zuneigt und der Dezember vor uns liegt, dürfen wir innehalten und reflektieren: Welche "Hölzer" entzünden wir, um Licht in die Dunkelheit zu bringen?

Mögen die kommenden Tage uns daran erinnern, dass in jeder Flamme ein Funken Hoffnung wohnt – und dass wir das Licht nicht nur für uns, sondern auch für andere entfachen können.

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